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<title>Adalbert Sternberg</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Adalbert Sternberg</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><div style="height:0; line-height:0; max-height:0; width:100%;"></div>
<p>Graf <b>Adalbert Sternberg</b> (mit vollem Namen: <i>Adalbert Wenceslaus Heinrich Leopold Maria Graf von Sternberg</i>, tschechisch: <i>Vojtěch Václav Sternberg</i>; * <a href="14._J%C3%A4nner" class="mw-redirect" title="14. Jänner">14. Jänner</a> <a href="1868" title="1868">1868</a> in <a href="Poho%C5%99elice" title="Pohořelice">Pohrlitz</a>; † <a href="25._April" title="25. April">25. April</a> <a href="1930" title="1930">1930</a> in <a href="Wien" title="Wien">Wien</a>) war ein österreichisch-tschechoslowakischer Politiker und Publizist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Adalbert Sternberg entstammte dem alten böhmischen <a href="Adel" title="Adel">Adelsgeschlecht</a> der <a href="Sternberg_(b%C3%B6hmisches_Adelsgeschlecht)" title="Sternberg (böhmisches Adelsgeschlecht)">Grafen von Sternberg</a>. Sein Vater <a href="Leopold_von_Sternberg" title="Leopold von Sternberg">Leopold von Sternberg</a> war ein hochdekorierter General. Nach dem Besuch des Gymnasiums schlug auch Adalbert Sternberg die Militärlaufbahn ein und diente 1886 als <a href="Einj%C3%A4hrig-Freiwilliger" title="Einjährig-Freiwilliger">Einjährig-Freiwilliger</a> beim <a href="K.u.k._Dragonerregiment_%E2%80%9EGraf_Montecuccoli%E2%80%9C_Nr._8" title="K.u.k. Dragonerregiment „Graf Montecuccoli“ Nr. 8">Dragonerregiment Nr. 8</a>, 1888 war er „Leutnant der Reserve“. Nach einem kurzzeitigen Studium der Nationalökonomie an der <a href="Universit%C3%A4t_Stra%C3%9Fburg" title="Universität Straßburg">Universität Straßburg</a> unternahm er zahlreiche Reisen durch <a href="Westeuropa" title="Westeuropa">West-</a> und <a href="S%C3%BCdeuropa" title="Südeuropa">Südeuropa</a>, <a href="Kleinasien" title="Kleinasien">Kleinasien</a>, <a href="Afrika" title="Afrika">Afrika</a>, <a href="Nordamerika" title="Nordamerika">Nordamerika</a>, <a href="Afghanistan" title="Afghanistan">Afghanistan</a>, <a href="Indien" title="Indien">Indien</a> und <a href="Spitzbergen_(Inselgruppe)" title="Spitzbergen (Inselgruppe)">Spitzbergen</a>.
</p><p>Seine Leidenschaft für Frauen, Alkohol und Glücksspiel führten zu einigen <a href="Duell" title="Duell">Duellen</a>. Aufgrund einer Spielschuld unternahm er 24-jährig einen Selbstmordversuch. Daraufhin wurde ihm der Offiziersrang aberkannt und er wurde in eine Klinik für Geisteskranke in <a href="Graz" title="Graz">Graz</a> eingewiesen (<a href="Richard_von_Krafft-Ebing" title="Richard von Krafft-Ebing">Richard von Krafft-Ebing</a> diagnostizierte „unheilbare Moraldefekte“). 1898 wurde sein militärischer Rang rehabilitiert. 1899 beteiligte er sich aus Kriegslust auf Seite der <a href="Buren" title="Buren">Buren</a> am <a href="Zweiter_Burenkrieg" title="Zweiter Burenkrieg">Burenkrieg</a>, nachdem er von den Briten abgewiesen wurde. Zurück in Europa veröffentlichte er darüber ein viel beachtetes Buch, in dem er in euphorischem Ton über den Krieg und moderne Kriegsführung berichtete.
</p><p>Nach seiner Rückkehr begann er, sich politisch zu betätigen. Er war gut vernetzt, zu seinen Bekannten zählte auch der Thronfolger <a href="Franz_Ferdinand_von_%C3%96sterreich-Este" title="Franz Ferdinand von Österreich-Este">Franz Ferdinand</a>. Dieser zürnte seinem Onkel, dem Kaiserbruder <a href="Ludwig_Viktor_von_%C3%96sterreich" title="Ludwig Viktor von Österreich">Erzherzog Ludwig Viktor</a>, weil der über Franz Ferdinands Ehefrau zu spotten pflegte. Um sich zu rächen, fädelte Franz Ferdinand eine Intrige ein, nachdem der Erzherzog 1904 im <a href="Zentralbad_(Wien)" title="Zentralbad (Wien)">Wiener Centralbad</a> von einem Mann geohrfeigt worden war. Sternberg verfasste kurz nach dem Vorfall ein spöttisches <i>Couplet vom Dampfbade</i>, das er auf einem Fest der Fürstin <a href="Cro%C3%BF" title="Croÿ">Croÿ</a> – in Anwesenheit Ludwigs – von Volkssängern vortragen ließ, sehr zur Heiterkeit der Hofgesellschaft. Gemeinsam mit seiner Cousine Fürstin <a href="Eleonora_Fugger_von_Babenhausen" title="Eleonora Fugger von Babenhausen">Nora Fugger</a> bauschte er die Geschichte auf diese Weise zum Skandal auf, sodass Franz Ferdinand und seine Freunde den Kaiser überreden konnten, seinen Bruder aus Wien zu verbannen.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>1904 wurde Sternberg als Nachfolger für den verstorbenen Abgeordneten Jan Jaroš in den <a href="Reichsrat_(%C3%96sterreich)" title="Reichsrat (Österreich)">Reichsrat</a> gewählt, wo er sich rasch den Ruf eines sowohl unterhaltsamen als auch ungehaltenen Redners erwarb: Dem <a href="Deutschnationalismus" title="Deutschnationalismus">deutschnationalen</a> Abgeordneten <a href="Karl_Hermann_Wolf" title="Karl Hermann Wolf">Karl Hermann Wolf</a> etwa drohte er am 4. Oktober 1905 zuerst „ein paar <a href="Ohrfeige" title="Ohrfeige">Watschen</a>“ an und warf dann ein Wasserglas gegen ihn. Ein anderes Mal versuchte er eine Abstimmung dadurch zu verhindern, dass er sich der <a href="Wahlurne" title="Wahlurne">Wahlurne</a> bemächtigte. Aktionen wie diese förderten seine Popularität und seinen Ruf als aufmüpfigen Volksvertreter. Als tschechischer Abgeordneter setzte er sich für eine starke Position <a href="B%C3%B6hmen" title="Böhmen">Böhmens</a> innerhalb der <a href="%C3%96sterreich-Ungarn" title="Österreich-Ungarn">Monarchie</a> ein. Politisch stand er auf den Prinzipien des <a href="Katholizismus" title="Katholizismus">Katholizismus</a>, der <a href="Habsburg" title="Habsburg">Krone</a> und des Militärs. Dies hielt ihn allerdings nicht davon ab, auch Vertreter von Kirche, Adel und Armee zu kritisieren. Die „<a href="Kamarilla" title="Kamarilla">Hofkamarilla</a>“ rund um den <a href="Franz_Joseph_I." title="Franz Joseph I.">alten Kaiser</a> etwa hielt er in ihrer Verkommenheit für die wahren Schuldigen am Niedergang des Vielvölkerreiches. 1907 wurde er erneut in den Reichsrat gewählt. Er kandidierte auch einige Male bei <a href="B%C3%B6hmischer_Landtag" title="Böhmischer Landtag">böhmischen und mährischen Landtagswahlen</a>, allerdings erfolglos, obwohl er nach <a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">amerikanischem</a> Vorbild mit einem Automobil Wahlreisen unternahm.
</p><p>Beim Ausbruch des <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkriegs</a> teilte Sternberg die allgemeine Kriegseuphorie und meldete sich – 47-jährig – an die Front, wo er zunächst als <a href="Ordonnanzoffizier" title="Ordonnanzoffizier">Ordonnanzoffizier</a> diente. 50-jährig absolvierte er eine Pilotenausbildung und absolvierte Erkundungsflüge. Für seine erfolgreichen Einsätze wurde er mehrfach ausgezeichnet.
</p><p>Nach dem Krieg konzentrierte sich Adalbert Sternberg auf die publizistische Tätigkeit, er verfasste Bücher und Artikel auf <a href="Deutsche_Sprache" title="Deutsche Sprache">Deutsch</a> und auch auf <a href="Tschechische_Sprache" title="Tschechische Sprache">Tschechisch</a>, obwohl er die Sprache nicht besonders gut beherrschte. Auch eigene Zeitschriften, die „Tagesfragen“ und „Sternberg’s Halbmonatsschrift“, gab er heraus.
</p><p>Nach dem Ende der Monarchie wurde Sternberg <a href="Tschechoslowakei" title="Tschechoslowakei">Tschechoslowake</a>. Als er 1925 als „Ausländer“ wegen seiner Kritik an der <a href="Erste_Republik_(%C3%96sterreich)" class="mw-redirect" title="Erste Republik (Österreich)">jungen Republik Österreich</a> wieder einmal des Landes verwiesen wurde, rief ihm <a href="Anton_Kuh" title="Anton Kuh">Anton Kuh</a> am Bahnhof zu:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ich bitte Sie wenigstens darum, dass Sie als einer der letzten Europäer Wiens jetzt im Ausland diesen Staat nach Kräften diskreditieren, und gratuliere Ihnen dazu, dass Sie ihn verlassen müssen.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Anton Kuh</span></div></div>
<p>Er durfte allerdings bald wieder nach Österreich einreisen. Adalbert Sternberg verstarb am 25. April 1930 im <a href="Sanatorium_F%C3%BCrth" title="Sanatorium Fürth">Sanatorium Fürth</a> an einer <a href="Alkoholvergiftung" title="Alkoholvergiftung">Alkoholvergiftung</a>.<sup id="cite_ref-Grill_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Grill-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werke_(Auszug)"><span id="Werke_.28Auszug.29"></span>Werke (Auszug)</h2></div>
<ul><li><i>Meine Erlebnisse und Erfahrungen im Boerenkriege.</i> Georg Reimer, Berlin 1901. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/meineerlebnisseu00ster/page/n3">Digitalisat online</a> im <a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a>.</li>
<li><i>Die böhmische Frage.</i> Prag 1904.</li>
<li><i>Die Barbaren von Marokko: Reisestudien.</i> Wiener Verlag, Wien 1908.</li>
<li><i>Radioglaube an Gott, ein Buch für Ungläubige.</i> Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1925.</li>
<li><i>Warum Österreich zugrunde gehen musste.</i> Tagesfragen, Giesshübel bei Solmus in Böhmen 1927.</li>
<li>Hrsg. von <a href="Hans_Rochelt" title="Hans Rochelt">Hans Rochelt</a>: <i>Adalbert Graf Sternberg (1868–1930): aus den Memoiren eines konservativen Rebellen.</i> Löcker, Wien 1997, ISBN 3-85409-265-2.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vojt%C4%9Bch_V%C3%A1clav_Sternberg?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Adalbert Sternberg</a></span></b> – Sammlung von Bildern</div>
<ul><li>R. Luft: <i><span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.biographien.ac.at/oebl_13/233.pdf">Sternberg, Adalbert Wenzel (Vojtěch Václav) Gf. von; Ps. Flavio Gioja.</a></span></i> In: <i><a href="%C3%96sterreichisches_Biographisches_Lexikon_1815%E2%80%931950" title="Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950">Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950</a></i> (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2010, ISBN 978-3-7001-6963-5, S. 233 f. (Direktlinks auf <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.biographien.ac.at/oebl_13/233.pdf">S. 233</a></span>, <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.biographien.ac.at/oebl_13/234.pdf">S. 234</a></span>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Katrin_Unterreiner" title="Katrin Unterreiner">Katrin Unterreiner</a>: <i>Luziwuzi: das provokante Leben des Kaiserbruders Ludwig Viktor</i>, Wien 2019, S. 153 ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-Grill-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Grill_2-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Markus Grill: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.tagblatt-wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/geschichte/996884_Enfant-terrible-des-alten-Oesterreich.html"><i>Enfant terrible des alten Österreich.</i></a> In: <i><a href="Wiener_Zeitung" title="Wiener Zeitung">Wiener Zeitung</a>.</i> 21. Oktober 2018,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 25. Oktober 2018</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AAdalbert+Sternberg&rft.title=Enfant+terrible+des+alten+%C3%96sterreich&rft.description=Enfant+terrible+des+alten+%C3%96sterreich&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.tagblatt-wienerzeitung.at%2Fthemen_channel%2Fwissen%2Fgeschichte%2F996884_Enfant-terrible-des-alten-Oesterreich.html&rft.creator=Markus+Grill&rft.date=2018-10-21"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=nfp&datum=19300426&seite=1"><i>Adalbert Sternberg gestorben.</i></a> In: <i>Neue Freie Presse</i>, 26. April 1930, S. 1–2 (online bei <a href="ANNO_%E2%80%93_AustriaN_Newspapers_Online" title="ANNO – AustriaN Newspapers Online">ANNO</a>).<span style="display:none">Vorlage:ANNO/Wartung/nfp</span></span>
</li>
</ol>
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<div>
Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/117232416">117232416</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/nr88003095">nr88003095</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/35228795/">35228795</a></span> | </div>
</div></div>
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